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Prof. Dr. Thomas Goll

For­schung

Aktuelle Projekte

PBKS  (= Politische Bildung von Anfang an (Kindertagesstätten und Sachunterricht)) (2019/2021-2023)
(För­de­rung: Bundeszentrale für politische Bildung)
Das Projekt PBKS  (= Politische Bildung von Anfang an (Kindertagesstätten und Sachunterricht)) adressiert die Notwendigkeit, demokratisches Ler­nen und politische Bildung als aufeinander verwiesenes lebenslanges Ler­nen zu denken und dabei die in­sti­tu­ti­o­nell­en Orte dieses Lernens stärker als bislang im Übergang von vorschulischer und schulischer politischer Bildung aufeinander zu beziehen. Dabei sind auf dem Feld der Zu­sam­men­arbeit von (grund)schulischer und vorschulischer politischer Bildung zuallererst Gelegenheitsstrukturen aufzuklären und Kooperationsformate zu konzeptualisieren. Weil jedoch Un­sicher­heit über tatsächlich mögliche Koope­ra­tions­pro­jekte besteht, solange ein fundierendes Gespräch zwischen allen potentiell Beteiligten nicht statt­ge­fun­den hat, star­tet das Projekt am 2./3. De­zem­ber 2019 mit einer Tagung zum Zweck der Aufklärung und Auslotung von möglichen Kooperationsfeldern und Kooperationspartnern. Insgesamt ist das Projekt als Fact Finding Mission und Best Practice  Exploration konzipiert und auf eine Laufzeit von drei Jahre veranschlagt.

Literatur: Deth, J.W. v., Abendschön, S., Rathke, J. & Vollmar, M. (2007). Kinder und Politik. Politische Einstellungen von jungen Kindern im ersten Grundschuljahr. Wiesbaden: Springer VS; Götzmann, A. (2015). Ent­wick­lung politischen Wissens in der Grund­schule. Wiesbaden: Springer VS; Hansen, R., Knauer, R. & Sturzenhecker, B. (2011): Partizipation in Kindertageseinrichtungen. So gelingt Demokratieerziehung mit Kindern. Bonn; Richter, D. (Hrsg.) (2007): Politische Bildung von Anfang an. Bonn.

PKjK (= Politische Konzepte junger Kinder) – explorativen Teilstudie im PBKS-Projekt
Jedes Kind, „das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden“ (Art. 12 KRK; BMFSFJ 2014), hat nach der Kinderrechtskonvention (KRK) der Vereinten Nationen das politische Recht auf Partizipation. Diesen Rechtsanspruch ernst nehmen heißt zugleich, Kinder mög­lich gut und so früh wie mög­lich dabei zu un­ter­stüt­zen, politisch urteils- und handlungsfähig zu wer­den. Wann diese För­de­rung sinnvollerweise einsetzen kann und soll, ist jedoch empirisch noch nicht aufgeklärt. Die PKjK-Studie (= Politische Konzepte junger Kinder) des Lehrstuhls für integrative Fachdidaktik Sachunterricht und Sozial­wissen­schaf­ten der TU Dort­mund setzt hier an. Sie er­forscht, ob schon Kinder im Kita-Alter über polical literacy und konzeptuelles politisches Wissen verfügen.

Die Studie wurde im Rah­men des Projekts „Politische Bildung von Anfang an (Kindertagesstätten und Sachunterricht)“ (= PBKS) im Herbst 2019 an der TU Dort­mund durch­ge­führt. Die Forschungsfrage war, ob schon Kinder im Alter von 5 Jahren über political literacy verfügen und welche Ausprägungen sich dabei nachweisen lassen. Dazu wurden zwei über Youtube zugängliche Videodateien des regionalen Fernsehsenders Rhein-Main TV (Kinder erklären Politik 1 und 2) mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) analysiert. Trotz der Limitiertheit der Daten konnte die Studie bestätigen, dass schon junge Kinder über political literacy zumindest auf den basalen Kompetenzstufen nominal und funktional verfügen kön­nen. D.h., politische Begriffe sind auch jungen Kindern bekannt und kön­nen von ihnen richtig ver­wen­det wer­den. Deutlich wurde auch, dass eine Vielfalt an Material und methodischen Zugängen nötig ist, um kindlichen Vorstellungen besser auf die Spur zu kom­men.

Die Er­geb­nisse finden Sie hier: Thomas Goll: Politische Konzepte junger Kinder – Er­geb­nisse einer explorativen Teilstudie. Working Paper. Dort­mund 2020 DOI: 10.13140/RG.2.2.32302.13129.

Der Lehrstuhl für integrative Fachdidaktik Sachunterricht und Sozial­wissen­schaf­ten der TU Dort­mund wird daher das PKjK-Projekt fortsetzen und die Datenbasis durch Anlegung einer Sammlung von politischen Aussagen junger Kinder erweitern.

Literatur: Berti, A.E. (2005): Children's understanding of politics. In: Barrett, M. & Buchanan-Barrow, E. (Hrsg.): Children's Understanding of Society. ProQuest Ebook Central, 69-103; Bybee, R. (1997). Towards an understanding of scientific literacy. In W. Gräber, & C. Bolte (Hrsg.), Scientific Literacy. An in­ter­na­tio­nal symposium. Kiel: IPN, 37-68; Sapiro, Virginia (2004): Not your Parents’ political Socialisation: Introduction for a New Generation. In: Annu. Rev. Polit. Sci. 2004. 7:1–23 (doi: 10.1146/annurev.polisci.7.012003.104840).

POWIS Q: „Politisches Wissen von Schü­ler­in­nen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund – qualitative Teilstudie zu Politikkonzepten (2012-2021)
(zu­sam­men mit Michaela Hartmann)
Das Design der Teil-Studie POWIS-Q folgt ei­nem Mixed Methods-Ansatz. Kombiniert wer­den die getesteten standardisierten Instrumente aus POWIS I und II mit nichtstandardisierten Methoden. Die Schü­ler­in­nen und Schüler ausgesuchter Realschulen in NRW wer­den mit Hilfe der bei POWIS I und II erprobten Fragebatterien – erweitert um spezifische Fragen zum Grundrechtsverständnis – getestet, um die Befunde aus POWIS I und II zu überprüfen (Replikationsstudie zu POWIS I). Auf der Basis der Er­geb­nisse wer­den ausgewählte Schü­ler­in­nen und Schüler aus den getesteten Klassen gezielt in Laut-Denk-Ver­fah­ren ein wei­te­res Mal befragt, um deren Gedankengänge, die zu ei­nem Antwortverhalten in Form einer be­stimm­ten Wahlentscheidung führen, nachvollziehen zu kön­nen. Diese Gedankengänge wer­den do­ku­men­tiert und hinsichtlich der dahintersteckenden Politikkonzepte inhaltsanalytisch ausgewertet. Dazu wer­den die Argumentationsbreite und -tiefe (in Anlehnung an Toulmin 1996) herangezogen, was zugleich einen Rückschluss auf mögliche Verfestigungen von Prä- und Alltagskonzepten bei Ler­nen- den ermöglichen könnte. Anschlussfähig ist dieser Ansatz z.B. an das theoretische Konstrukt der „narrativen Argumentation“ in der Mathe­ma­tik­di­dak­tik (Krummheuer 1997) sowie an Forschungen zur Be­deu­tung von Argumentation in anderen Fachdidaktiken (z.B. Aufschnaiter 2008; Mittelsten Scheid 2008; Zohar / Nemet 2002), aber auch an neueste Arbeiten der Politikdidaktik zur Be­deu­tung des Argumentierens im Kontext politischer Handlungsfähigkeit (vgl. dazu Weißeno / Buchstein 2012). Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Lernerperspektive, nicht auf der Professionsforschung angehender Lehrer.

Literatur: Aufschnaiter, Claudia von / Erduran, Sibel / Osborne, Jonathan / Simon, Shirley (2008): Arguing to learn and learning to argue: Case studies of how students' argumentation relates to their scientific knowledge. In: Journal of Research in Science Teaching, 45, S. 101–131; Krummheuer, Götz (1997): Narrativität und Ler­nen. Mikrosoziologische Studien zur sozialen Konstitution schulischen Lernens. Weinheim; Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grund­la­gen und Techniken. Weinheim; Mittelsten Scheid, Nicola (2008): Niveaus von Bewertungskompetenz. Eine empirische Studie im Rah­men des Projektes Biologie im Kontext. Tönning; Toulmin, Stephen Edelston (1996): Der Gebrauch von Argumenten. Weinheim; Weißeno, Georg / Buchstein, Hubertus (Hrsg.) (2012): Politisch Handeln. Modelle, Mög­lich­keiten, Kom­pe­ten­zen. Opladen; Zohar, Anat / Nemet, Flora (2002): Fostering students’ knowledge and argumentation skills through dilemmas in human genetics. In: Journal of Research in Science Teaching, 39 (1), S. 35-62.

PIK: "Politik in Kisten" (2013-fortlaufend)
(zu­sam­men mit Eva-Maria Goll (geb. Schauenberg))
Das explorative Projekt „Politik in Kisten“ greift die in den Didaktiken der na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Fächer bzw. der entsprechenden Perspektive des Sachunterrichts erprobte Idee des Lernens mit Hilfe von Themenkisten für die For­schung in der sozialwissenschaftlichen Perspektive des Sachunterrichts auf. Ein weiterer Bezugspunkt hinsichtlich des Themenfeldes Politik sind universitäre „Politik-Labore“ (z.B. in Oldenburg und Hannover). Die besondere Problematik bei der Ent­wick­lung von Politikkisten besteht darin, dass sich Gegenstände zum Experimentieren leicht in Kisten verpacken lassen, nicht so aber „Gegenstände der Politik“. Die zentrale Fra­ge­stel­lung für das Projekt ist daher die nach den Mög­lich­keiten und Grenzen kindgerechten politischen Lernens mit Themenkisten. Das Projekt er­forscht kon­kret, ob und inwiefern mit Hilfe von Politikkisten (z.B. zu De­mo­kra­tie, Parteien, EU und Kinderrechten) ein Lernprozess initiiert und erfasst wer­den kann. Die Dokumentation des Ar­beits- und Lernprozesses erfolgt mittels Videographie.

Dem Projekt liegen damit folgende Annahmen zugrunde: „Gegenstände der Politik“ lassen sich zwar schlecht in Kisten packen, aber perspektivenbezogenes Ler­nen (Kompetenzdimension Fachwissen) ist im Sachunterricht mit PIK dennoch mög­lich, weil Vorwissen von Schüler/innen zu Politik grundsätzlich vorhanden ist (= Präkonzepte). Dieses ist zwar unterschiedlich ausgeprägt , aber höher als häufig vermutet (vgl. Richter 2007). Die Lern­mög­lich­kei­ten mit dem Material hängen zwar stark von der allgemeinen Lese- und Sprachkompetenz ab, da Politik an Sprache gebunden ist (vgl. Goll u.a. 2010), aber das Material fördert über die damit verbundene Handlungsorientierung das In­te­res­se­ gerade auch sprachlich nicht so starker Schüler/innen. Wird die Ar­beit mit dem Material durch geschulte Beobachter begleitet, ist es auch als Diagnoseinstrument nutzbar.

Literatur: Detjen, Joachim (2012): Politikkompetenz – ein Modell. Wiesbaden; Goll, Thomas u.a. (2010): Politisches Wissen zur De­mo­kra­tie von Schü­ler­in­nen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (POWIS-Studie). In: Weißeno, Georg (Hrsg.): Bürgerrolle in der Einwanderungsgesellschaft – Chancen des Politikunterrichts. Bonn, S. 23-50; Richter, Dagmar (2007): Welche politischen Kom­pe­ten­zen sollen Grund­schü­lerin­nen und -schüler erwerben? In: Dies. (Hrsg.): Politische Bildung von Anfang an – De­mo­kra­tie-Ler­nen in der Grund­schule, Bonn, S. 36-53.

Abgeschlossene Projekte

POWIS I - Politisches Wissen von Schüler/innen mit und ohne Migrationshintergrund – Studie zur politischen Grundbildung (2008-2010)
(zu­sam­men mit Dagmar Richter, TU Braunschweig, Georg Weißeno und Valentin Eck, PH Karlsruhe; För­de­rung: Bundeszentrale für politische Bildung)

Erhebungen zu politischen Einstellungen von Jugend­lichen zu De­mo­kra­tie und Ge­sell­schaft zeigen unterschiedliche Er­geb­nisse für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Dabei ist unklar, ob diese Un­ter­schie­de Folge eines anderen Verständnisses von Politik und De­mo­kra­tie sind oder aber in lückenhaftem Wissen zu suchen sind oder auch im Sprachvermögen. Hierzu lagen bislang keine empirischen Arbeiten vor. Das Projekt POWIS Igibt hierzu erste Antworten. Erhoben wurden dazu Daten zum konzeptuellen Wissen von Schüler/-innen, die in Lehr-/Lerngruppen multiethnischer Zusammensetzung unterrichtet wer­den.

Methodische Vorgehen: Die Be­fra­gung blieb aus pragmatischen (Umfang der Studie) und inhaltlichen Gründen (mittleres Bildungsniveau, Vermeidung von Decken- bzw. Basiseffekten) beschränkt auf Schüler/-innen der Jahrgangsstufe 9 in Realschulen. Der Anteil der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund in der Stichprobe sollte darüber hinaus dem Bundesdurchschnitt entsprechen. Die Schulen lagen aufgrund der beteiligten Uni­ver­si­tä­ten in den Ballungsräumen Braunschweig, Dort­mund und Karlsruhe. Erhebungszeitraum war Frühjahr 2008.

Getestet wurde auf konzeptuelles Wissen. Die Schü­ler­in­nen und Schüler sollten zeigen, wie sie bestimmte Situationen auf der Basis ihres Wissens beurteilen, nicht jedoch was an Einzelfakten verfügbar war. Dabei enthielt der Wissenstest Fragen zu den ver­schie­de­nen inhaltlichen Aspekten – De­mo­kra­tie, Wahlen, Föderalismus und Bürgerrechte – und mit unterschiedlicher Schwierigkeit. Die Verständlichkeit und Lösbarkeit der Fragen wurde in zwei vorangestellten Pilottests un­ter­sucht. Das verwendete Format war das Standard Multiple-Choice-Format: 4 Antwortoptionen mit einer richtigen Lö­sung. Darüber hinaus sollten die Fragen sollen curricular sensitiv und somit in allen Bundesländern replizierbar sein. Dazu wurden die Fragen ei­nem Expertenreview von 16 Expert/-innen zur Einschätzung der curricularen Validität unterzogen. Gerahmt wurde der Wissenstest von zwei Sprachtests, die Hinweise auf das Sprachvermögen liefern sollten, damit ausgeschlossen wer­den konnte, dass Spracheffekte mit Wissen verwechselt wer­den. Die Datenerhebung erfolgte in ins­ge­samt 82 Schulklassen.

Messmodell: Wichtig für das Ver­ständ­nis von POWIS I ist, dass die Messung der Daten auf der Basis eines mehrfaktoriellen Modells erfolgte. Dabei wird nicht das Antwortverhalten zu einzelnen Fragen betrachtet, sondern in dem Messmodell ist das Antwortverhalten für alle Fragen gleichzeitig nach der Item-Respone-Theory (IRT) kontrolliert. Für die Itemauswahl wurden zwei Annahmen zugrunde gelegt und überprüft: Eindimensionalität (alle Wissensfragen in allen Subfacetten gehen auf eine gemeinsame Fähigkeit zurück) und gruppenspezifische Messinvarianz (das Messmodell ist unabhängig von der „Gruppenzugehörigkeit“ der Per­so­nen).

Analysemodell: Zur Analyse wurde ein Mehrebenenmodell herangezogen, das es erlaubt, den Einfluss mehrerer un­ab­hän­gig­er Variablen (= Prädiktoren), auf die abhängigen Variablen (= Kriteriumsvariablen) zu be­stim­men. So konn­ten Schulklassen als Aggregateinheiten und nicht nur Individuen in den Blick genommen wer­den, denn Schü­ler­in­nen und Schüler wurden nicht als Einzelpersonen befragt, sondern als Angehörige einer Schulklasse.

Im Analysemodell wurden in POWIS I folgende Prädiktoren für das politische Wissen auf Individualebene ver­wen­det: Ge­schlecht; kulturelles Kapital der Eltern, Migrationsherkunft der Eltern, Sprache(n) im Elternhaus und Sprachtest. Die Einflussfaktoren auf das Wissen auf Klassenebene waren: Klassenstärke und Aggregate der Individualebene (Bücherzahl, Herkunft der Eltern, gesprochene Sprachen zuhause, Leistung im Sprachtest als formative latente Variable aus den beiden Testergebnissen).

Er­geb­nisse: Erfolgreiches Ler­nen im Politikunterricht hängt auch von den Rah­men­be­ding­ung­en ab (z. B. die Klassenzusammensetzung). Sowohl auf Individual- als auch auf Klassenebene zeigt sich die Be­deu­tung der Sprachkompetenz der Schü­ler­in­nen und Schüler sowie des kulturellen Kapitals der Eltern. Es fällt auf, dass der Politikunterricht mehr an der Sprachfähigkeit (z. B. durch schriftliche Aufgaben) arbeiten muss und das Augenmerk auf die Schüler/-innen mit türkischem oder italienischen Migrationshintergrund zu lenken hat. Hier kön­nen die Er­geb­nisse nicht befriedigen.

Veröffentlichung: Politisches Wissen zur De­mo­kra­tie von Schü­ler­in­nen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (POWIS-Studie). In: Weißeno, Georg (Hrsg.): Bürgerrolle in der Einwanderungsgesellschaft – Chancen des Politikunterrichts. Bonn 2010, S. 23-50 (zu­sam­men mit Valentin Eck, Dagmar Richter und Georg Weißeno).

POWIS II - Die Ent­wick­lung des politischen Wissens bei Schülern/innen in den Schul­for­men der Se­kun­dar­stu­fe I – Längsschnittstudie (2009-2013)
Die Etablierung von Bildungsstandards in der schulischen politischen Bildung setzt voraus, dass empirisch gesicherte Aussagen über die tatsächliche Lernprogression im Fach ge­macht wer­den kön­nen, denn die „Bildungsstandards konkretisieren die Ziele in Form von Kompetenzanforderungen. Sie legen fest, über welche Kom­pe­ten­zen ein Schüler, eine Schülerin verfügen muss, wenn wichtige Ziele der Schule als erreicht gelten sollen. Systematisch geordnet wer­den diese An­for­der­ungen in Kompetenzmodellen, die Aspekte, Abstufungen und Entwicklungsverläufe von Kom­pe­ten­zen darstellen“ (BMBF 2003, 21). Um solche „Entwicklungsverläufe“ empirisch nachweisen zu kön­nen, bedarf es Längsschnittstudien. Diese aber sind in der Politikdidaktik ein Desiderat. Die POWIS II-Studie gibt erste Aufschlüsse über die Ent­wick­lung des konzeptuellen politischen Wissens von Schüler/innen und über den Anteil des Politikunterrichts daran. 

Methodisches Vorgehen: POWIS II wurde in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Institut für Schul­ent­wicklungs­forschung der TU Dort­mund durch­ge­führt und partizipiert am PARS-Projekt der Research School „Education and Capabilities“ der Uni­ver­si­tät Bielefeld und der TU Dort­mund. Die Längsschnittstudie PARS (Panel Study at the Research School „Education and Capabilities“ in North Rhine-Westphalia) erhebt von 2009 bis 2013 jährlich Daten an 50 Schulen in Nordrhein-Westfalen (8 Hauptschulen, 10 Realschulen, 15 Gymnasien, 4 Ge­samt­schulen, 13 För­der­schu­len). Die Be­fra­gung findet in zwei Kohorten (Kohorte I: ab Jahrgangsstufe 5; Kohorte II: ab Jahrgangsstufe 9) statt. Eingesetzt wer­den dabei u.a. Testinstrumente von NEPS (National Educational Panel Study) sowie im Bereich des politischen Wissens je acht getestete Fragen aus POWIS I, die zum Teil sprachlich an die Jahrgangsstufen angepasst wurden.

Die Lernprogression der Lehrpläne dient als Basis für die Hypothese, dass in der Schule – abhängig von der Schulart – eine systematische Wis­sens­ver­mitt­lung im Fach der Politischen Bildung stattfindet. Konzeptuelles Wissen zu ei­nem be­stimm­ten Zeitpunkt kann dabei mit den bewährten Instrumenten aus POWIS I getestet wer­den. Wenn mit denselben Instrumenten dieselben Schüler zu un­ter­schied­lichen Zeitpunkten ihrer Schullaufbahn getestet wer­den, dann lassen sich Aussagen zum Verlauf ihres Wissenserwerbs ma­chen. Die Testergebnisse lassen sich zur Berechnung von Effektstärken (d) verwenden. Wenn die Messwerte über dem "natürlichen" Wissenszuwachs (Hattie) liegen, hat der Politikunterricht dazu beigetragen, konzeptuelles politisches Wissen zu bilden. 

Messmodell: Die Messung der Daten erfolgt auf der Basis eines mehrfaktoriellen Modells. Nicht das Antwortverhalten zu einzelnen Fragen wird betrachtet, sondern in dem Messmodell ist das Antwortverhalten für alle Fragen gleichzeitig nach der Item-Respone-Theory (IRT) kontrolliert (s. POWIS I).

Analysemodell: Im Analysemodell wurden in POWIS II folgende Prädiktoren für das politische Wissen ver­wen­det: Ge­schlecht; kulturelles Kapital der Eltern (Bücherzahl), Migrationsherkunft der Eltern und Schul­form.

Er­geb­nisse: Erfolgreiches Ler­nen im Politikunterricht hängt wesentlich von der be­such­ten Schul­form ab. Diese ist z.T. be­deu­ten­der als z.B. Ge­schlecht und Migrationshintergrund (12% Varianzaufklärung in Jahrgangsstufe 7). In jeder Schul­form findet Wis­sens­ver­mitt­lung im Politikunterricht bzw. im Fach der Politischen Bildung statt, wenn auch unterschiedlich stark (von Jahrgangsstufe 5 auf 7: Hautschule/Realschule d = 0.28 p.a.; Gymnasium d = 0.50 p.a.). Am meisten scheinen Schüler/innen des Gymnasiums vom Politikunterricht zu profitieren. Der Zuwachs an politischem Wissen ist nicht allein durch außerschulische Faktoren begründbar (z.B. Medien­nutzung) und auch nicht durch die kognitive Ent­wick­lung der Schüler/innen (d > 0.15 p.a.). Zu vermuten ist, dass ein Zu­sam­men­hang zwischen den Lernanforderungen der Richtlinien und dem Lernzuwachs besteht (vgl. Steigerung in den Realschulen auf d = 0.34 p.a. von Jahrgangsstufe 7 auf 9 entsprechend der Progression der Richtlinien). Ungeklärt ist jedoch, welche Form von Politikunterricht im einzelnen be­son­ders lernförderlich ist (z.B. Methoden, Medieneinsatz). 

Veröffentlichung: Powis II: Die Ent­wick­lung politischen Wissens bei Schülern in der Se­kun­dar­stu­fe I - ein Zwischenbericht. In: Juchler, Ingo (Hrsg.): Unterrichtsleitbilder in der politischen Bildung (=  Schriftenreihe der Ge­sell­schaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung, Bd. 11). Schwalbach/Ts.: Wochenschauverlag 2012, S. 139-152; Die Ent­wick­lung des politischen Wissens bei Schülern/innen in den Schul­for­men der Se­kun­dar­stu­fe I (POWIS II) – Er­geb­nisse einer Längsschnittstudie. In: Lange, Dirk, Oeftering, Tonio (Hrsg.): Politische Bildung als lebenslanges Ler­nen (= Schriftenreihe der Ge­sell­schaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung, Bd. 13). Schwalbach/Ts.: Wochenschauverlag 2014, S. 125-137.

Evaluation des Medienprojekts HANISAU-Land der Bundeszentrale für politische Bildung (2011-2012)
Die im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführte Evaluation sollte Auf­schluss über eine mögliche Konzeptvariation von HANISAU-Land geben. Die Evaluation erfolgte in zwei Arbeitsphasen: 1. Medienanalyse der vorliegenden HANISAU-Land-Ma­te­ri­alien; 2. Nutzeranalyse und Nutzerbefragung. Spezifische Fragestellungen waren dabei u.a. die nach der Unterrichtseignung der Ma­te­ri­alien und ihrer Verbreitung im schulischen Kontext.  

Die Er­geb­nisse wurden 2012 der Bundeszentrale für politische Bildung vorgestellt und gingen in die Wei­ter­ent­wick­lung von HANISAU-Land ein.

Co-Teaching International: Teacher Train­ing in Intercultural and Interreligious Dialogue (2015-2017)
(zu­sam­men mit Heike Wendt, wis­sen­schaft­liche Leitung, und Hasan Sinemillioglu, Projektkoordinator; För­de­rung: DAAD)

The Project is carried out with the partnership of TU Dort­mund Uni­ver­sity and Dicle Uni­ver­sity. The aims of the proj­ect are;

- to promote the development of global and intercultural competences of student teachers and teacher educators,
- train both groups in pedagogic, scientific approaches and help them to reflect on global and intercultural competences,
- support learners in acquiring these skills.
In order to materialise these aims; jointly developed and taught courses are simultaneously being run at the two teacher education in­sti­tu­ti­ons. Also, student exchange that includes a group of students from Dicle Uni­ver­sity attending an intensive one week course jointly with German students in Dort­mund and vice versa. Staff exchange and capacity building which involves the enhancement of young researchers’ skills through re­search method courses are also im­por­tant element of the proj­ect.

Projekthomepage: www.coteach.org/moodle/

 

PhaSE1 (Pausenhelfer an Schulen – Projekt zur För­de­rung der Ersthelferkompetenz von Grundschülern (Kooperationsprojekt mit dem ASB Dort­mund)) (2017-2018):
Das Projekt PhaSE1 begleitete und evaluierte das vom ASB Dort­mund ent­wi­ckel­te Kon­zept: „Pausenhelferdienst an Grund­schu­len“. In einer explorativen Interventionsstudie wurden zu­nächst das Wissen der am Projekt teil­neh­men­den Schüler hinsichtlich Erster Hilfe erhoben, im Anschluss daran die Projektdurchführung begleitet und evaluiert und schließlich nach Abschluss des Projektes die Lerneffekte durch die Projektteilnahme erhoben. Ziele der explorativen Studie waren zum einen die Ver­bes­se­rung des Konzeptes wie auch die Ent­wick­lung von standardisierten Instrumenten für eine breit angelegte Wirksamkeitsstudie.

Das Projekt wurde auf der GDSU-Jahrestagung 2018 vorgestellt. Die Er­geb­nisse sind im GDSU Journal 2019 ver­öf­fent­licht (http://www.gdsu.de/gdsu/wp-content/uploads/2019/07/154_163_9.pdf).

 

„DoProfiL – Das Dort­mun­der Profil für inklusionsorientierte Lehrer/innenbildung“ (2016-2019)
Teilprojekt: Diversitätsaspekte zum The­ma ma­chenPer­spek­tiven der Fachdidaktik Sachunterricht

(zu­sam­men mit Dörte Kanschik; För­de­rung: BMBF)

„DoProfil“ verfolgt das Ziel, Lehramtsstudierende und Lehr­per­so­nen dahingehend zu qualifizieren, besonderen Förderbedarf von Schüler_innen zu erkennen und angemessen damit umzugehen – etwa durch Lernangebote, die eine Zugänglichkeit für alle Lernenden schaffen. Dazu wer­den an der TU Dort­mund neue fachspezifische wie auch fachübergreifende Konzepte und Veranstaltungsformate ent­wickelt. Den inklusiven Umgang mit Di­ver­si­tät sollen alle Lehramtsstudierenden sowohl theoretisch kennenlernen und in universitären Lehr­ver­an­stal­tun­gen erleben, als auch praktisch erproben und reflektieren. Dabei wer­den ins­be­son­de­re dialogische Lehr-/Lernformate ent­wickelt. Inklusion wird weit gefasst verstanden und umfasst bei­spiels­weise allgemeine/fachspezifische kognitive Kennt­nisse, von Lern­schwie­rig­kei­ten bis Hochbegabung, ethnische Herkunft, sozialen und ökonomischen Status ebenso wie kör­per­li­che Be­ein­träch­ti­gungen oder besondere Lernbedürfnisse.

Das Teilprojekt strebt an, Diversitätsaspekte auf zwei Ebenen für Stu­die­ren­de (und Lehrende) sichtbar und damit bearbeitbar zu ma­chen.

Auf Ebene der Hoch­schul­bil­dung wer­den zum einen inklusionsdidaktische Fragen im Curriculum des Faches Sachunterricht verbindlich für alle Stu­die­ren­den eingebunden (M2). Dies geschieht sowohl durch die Etablierung einer eigenen Lehr­ver­an­stal­tung (Inklusiver Sachunterricht) und durch die Einbindung inklusionsdidaktischer Fragen in andere Lehr­ver­an­stal­tun­gen. Zu diesem Zweck soll ein Analyseinstrument ent­wickelt wer­den, das sowohl bereits vorhandene Po­ten­ziale für inklusiven Sachunterricht identifiziert als auch Entwicklungsmöglichkeiten diesbezüglich aufzeigt.

Auf der Ebene der Fachdidaktik Sachunterricht geht es um die Diskussion und Wei­ter­ent­wick­lung der facheigenen Po­ten­ziale für Inklusion. Der gesellschaftswissenschaftlichen Sachunterricht bietet die Chance Diversitätsaspekte zum Unterrichtsgegenstand zu ma­chen und damit kindliche Vorstellungen zu ge­sell­schaft­li­chen Phänomenen anzureichern und auszudifferenzieren. For­schungs­er­geb­nis­se zum Sachunterricht deuten allerdings auf einen Überhang naturwissenschaftlicher Themen und (im Kontext der gesellschaftswissenschaftlichen Anteile) auf eine Reduzierung auf Elemente sozialen Lernens hin (vgl. Schroeder 2015). An diesem Desiderat ansetzend sollen über mehrere Semester hinweg fachdidaktische Seminare zu aus­ge­wähl­ten Diversitätsaspekten an­ge­bo­ten und hinsichtlich adaptiver Lehr-/Lernsituationen (M1) evaluiert wer­den. Dabei wird es u.a. darum gehen, wie es gelingen kann Di­ver­si­tät zum Unterrichtsthema zu ma­chen „ohne eine Bühne zur Schilderung von Stereotypen bereitzustellen“ (Offen 2014, 6).

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Uni­ver­si­tät Dort­mund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dort­mund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dort­mund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dort­mund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Uni­ver­si­tät ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dort­mund Uni­ver­si­tät“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 20- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dort­mund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Uni­ver­si­tät mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dort­mund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dort­mund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dort­mund Uni­ver­si­tät S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dort­mund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dort­mun­der Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Uni­ver­si­tät. Ein größeres Angebot an inter­natio­nalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Ki­lo­me­ter entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Uni­ver­si­tät zu erreichen ist.

Die Ein­rich­tun­gen der Technischen Uni­ver­si­tät Dort­mund verteilen sich auf den größeren Campus Nord und den kleineren Campus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hoch­schu­le im angrenzenden Technologiepark. Genauere In­for­ma­ti­onen kön­nen Sie den Lageplänen entnehmen.