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Prof. Dr. Thomas Goll

Forschung

Aktuelle Projekte

PoJoMeC (= Politik, Journalismus, Medien - Konzepte von Kindern in Vor- und Grundschulalter) (Auftakttagung: 2021 / Projekt: 2022-2025)

(zusammen mit Eva-Maria Goll, Gudrun Marci-Boehncke, Raphaela Tkotzyk, Michael Steinbrecher, Elisa Sobkowiak und Laura Millmann)

Das in­ter­dis­zi­pli­nä­re For­schungs­pro­jekt PoJoMeC erhebt im Rah­men einer längsschnittlichen Betrachtung empirisch fundierte Kennt­nisse zur Me­di­en- und Demo­kratie­bildung in der (Frühen) Kindheit. Dabei arbeiten drei Fachrichtungen zu­sam­men: die Politikdidaktik, die Deutsch-/Mediendidaktik und die Journalismusforschung.

Literatur: u.a. Abendschön, S. & Vollmar, M. (2007): Kinder, Politik und die Zukunft der Demokratie: Können Kinder Demokratie leben lernen? In: van Deth et al. (Hrsg.): Kinder und Politik. Politische Einstellungen von jungen Kindern im ersten Grundschuljahr. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, S. 205–223; Astudo, J. & Ruck, M.D. (2010): Early Childhood as a Foundation for Civic Engagement. In: Sherrod, L.R., Torney-Purta, J. & Flanagan, C.A. (Hrsg.): Handbook of Research on Civic Engagement in Youth. John Wiley & Sons, Inc., Hoboken, New Jersey, S. 249-275; Aufenanger, S., Mertes, K. & Nold, F. (2006). Verstehen Kinder Kindernachrichten? Televizion, 19, 50-53;  Berti, A.E. (2005): Children's understanding of politics. In: Barrett, M. & Buchanan-Barrow, E. (Hrsg.): Children's Understanding of Society. ProQuest Ebook Central, S. 69-103; Conway, M. M., Wyckoff, M. L., Feldbaum, E. & Ahern, D. (1981). The News Media in Children's Political Socialization. Public Opinion Quarterly, 45, S. 164-178; Gunter, B., Furnham, A. & Griffiths, S. (2000). Children's Memory for News: A Comparison of Three Presentation Media. Media Psychology, 2(2), S. 93-118; Marci-Boehncke, G. & Rath, M. (2013): Kinder – Medien – Bildung: Eine Studie zu Medienkompetenz und vernetzter Educational Governance in der Frühen Bildung. München: kopaed; Steinbrecher, M. (2006): Politische Partizipation in Deutschland. Baden-Baden: Nomos.

DeFaKi (= Demokratie-Facetten bei Kindern) (ab 2021)

(zusammen mit Norbert Zmyj)

In den letzten Jahren haben sich viele Programme zur Demokratiepädagogik im Vorschulalter etabliert ohne allerdings ein fundiertes Wissen darüber zu besitzen, ob die Kinder die Inhalte dieser Programme überhaupt (schon) verstehen (können). In diesem Projekt untersuchen wir die Entwicklung vom Verständnis wesentlicher Merkmale eines demokratischen Rechtsstaats bei Vorschulkindern (3- bis 5-Jährige, pro Altersgruppe 64 Kinder). Im 1. Teilprojekt DiFaKi_01 geht es um das Verständnis von Mehrheitsentscheidungen. 

Literatur: Corriveau, K.H., Fusaro, M. & Harris, P.L. (2009): Going With the Flow. Preschoolers Prefer Nondissenters as Informants. In: Psychological Sience (20), 3, S. 372-377; Goll, Thomas (2021): Jun­ge Kin­der und Politik – keine Tabula rasa. In: The­ma Jugend, H. 2, S. 3-5; Zmyj, N. (2021): Demokratiepädagogik in der Kindertagesstätte –
eminenz- oder evidenzbasiert? In: Goll, T. & Schmidt, I. (Hrsg.): Politische Bildung von Anfang an? Kindertageseinrichtungen und Grundschulen als Orte politischer Bildung und demokratischen Lernens. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, S. 87-107.

 

POWIS Q: „Politisches Wissen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund – qualitative Teilstudie zu Politikkonzepten (ab 2012)
(zusammen mit Michaela Hartmann)
Das Design der Teil-Studie POWIS-Q folgt einem Mixed Methods-Ansatz. Kombiniert werden die getesteten standardisierten Instrumente aus POWIS I und II mit nichtstandardisierten Methoden. Die Schülerinnen und Schüler ausgesuchter Realschulen in NRW werden mit Hilfe der bei POWIS I und II erprobten Fragebatterien – erweitert um spezifische Fragen zum Grundrechtsverständnis – getestet, um die Befunde aus POWIS I und II zu überprüfen (Replikationsstudie zu POWIS I). Auf der Basis der Ergebnisse werden ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus den getesteten Klassen gezielt in Laut-Denk-Verfahren ein weiteres Mal befragt, um deren Gedankengänge, die zu einem Antwortverhalten in Form einer bestimmten Wahlentscheidung führen, nachvollziehen zu können. Diese Gedankengänge werden dokumentiert und hinsichtlich der dahintersteckenden Politikkonzepte inhaltsanalytisch ausgewertet. Dazu werden die Argumentationsbreite und -tiefe (in Anlehnung an Toulmin 1996) herangezogen, was zugleich einen Rückschluss auf mögliche Verfestigungen von Prä- und Alltagskonzepten bei Lernen- den ermöglichen könnte. Anschlussfähig ist dieser Ansatz z.B. an das theoretische Konstrukt der „narrativen Argumentation“ in der Mathematikdidaktik (Krummheuer 1997) sowie an Forschungen zur Bedeutung von Argumentation in anderen Fachdidaktiken (z.B. Aufschnaiter 2008; Mittelsten Scheid 2008; Zohar / Nemet 2002), aber auch an neueste Arbeiten der Politikdidaktik zur Bedeutung des Argumentierens im Kontext politischer Handlungsfähigkeit (vgl. dazu Weißeno / Buchstein 2012). Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Lernerperspektive, nicht auf der Professionsforschung angehender Lehrer.

Literatur: Aufschnaiter, Claudia von / Erduran, Sibel / Osborne, Jonathan / Simon, Shirley (2008): Arguing to learn and learning to argue: Case studies of how students' argumentation relates to their scientific knowledge. In: Journal of Research in Science Teaching, 45, S. 101–131; Krummheuer, Götz (1997): Narrativität und Lernen. Mikrosoziologische Studien zur sozialen Konstitution schulischen Lernens. Weinheim; Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim; Mittelsten Scheid, Nicola (2008): Niveaus von Bewertungskompetenz. Eine empirische Studie im Rahmen des Projektes Biologie im Kontext. Tönning; Toulmin, Stephen Edelston (1996): Der Gebrauch von Argumenten. Weinheim; Weißeno, Georg / Buchstein, Hubertus (Hrsg.) (2012): Politisch Handeln. Modelle, Möglichkeiten, Kompetenzen. Opladen; Zohar, Anat / Nemet, Flora (2002): Fostering students’ knowledge and argumentation skills through dilemmas in human genetics. In: Journal of Research in Science Teaching, 39 (1), S. 35-62.

PIK: "Politik in Kisten" (2013-fortlaufend)
(zusammen mit Eva-Maria Goll (geb. Schauenberg))
Das explorative Projekt „Politik in Kisten“ greift die in den Didaktiken der naturwissenschaftlichen Fächer bzw. der entsprechenden Perspektive des Sachunterrichts erprobte Idee des Lernens mit Hilfe von Themenkisten für die Forschung in der sozialwissenschaftlichen Perspektive des Sachunterrichts auf. Ein weiterer Bezugspunkt hinsichtlich des Themenfeldes Politik sind universitäre „Politik-Labore“ (z.B. in Oldenburg und Hannover). Die besondere Problematik bei der Entwicklung von Politikkisten besteht darin, dass sich Gegenstände zum Experimentieren leicht in Kisten verpacken lassen, nicht so aber „Gegenstände der Politik“. Die zentrale Fragestellung für das Projekt ist daher die nach den Möglichkeiten und Grenzen kindgerechten politischen Lernens mit Themenkisten. Das Projekt erforscht konkret, ob und inwiefern mit Hilfe von Politikkisten (z.B. zu Demokratie, Parteien, EU und Kinderrechten) ein Lernprozess initiiert und erfasst werden kann. Die Dokumentation des Arbeits- und Lernprozesses erfolgt mittels Videographie.

Dem Projekt liegen damit folgende Annahmen zugrunde: „Gegenstände der Politik“ lassen sich zwar schlecht in Kisten packen, aber perspektivenbezogenes Lernen (Kompetenzdimension Fachwissen) ist im Sachunterricht mit PIK dennoch möglich, weil Vorwissen von Schüler/innen zu Politik grundsätzlich vorhanden ist (= Präkonzepte). Dieses ist zwar unterschiedlich ausgeprägt , aber höher als häufig vermutet (vgl. Richter 2007). Die Lernmöglichkeiten mit dem Material hängen zwar stark von der allgemeinen Lese- und Sprachkompetenz ab, da Politik an Sprache gebunden ist (vgl. Goll u.a. 2010), aber das Material fördert über die damit verbundene Handlungsorientierung das Interesse gerade auch sprachlich nicht so starker Schüler/innen. Wird die Arbeit mit dem Material durch geschulte Beobachter begleitet, ist es auch als Diagnoseinstrument nutzbar.

Literatur: Detjen, Joachim (2012): Politikkompetenz – ein Modell. Wiesbaden; Goll, Thomas u.a. (2010): Politisches Wissen zur Demokratie von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (POWIS-Studie). In: Weißeno, Georg (Hrsg.): Bürgerrolle in der Einwanderungsgesellschaft – Chancen des Politikunterrichts. Bonn, S. 23-50; Richter, Dagmar (2007): Welche politischen Kompetenzen sollen Grundschülerinnen und -schüler erwerben? In: Dies. (Hrsg.): Politische Bildung von Anfang an – Demokratie-Lernen in der Grundschule, Bonn, S. 36-53.

Abgeschlossene Projekte

POWIS I - Politisches Wissen von Schüler/innen mit und ohne Migrationshintergrund – Studie zur politischen Grundbildung (2008-2010)
(zusammen mit Dagmar Richter, TU Braunschweig, Georg Weißeno und Valentin Eck, PH Karlsruhe; Förderung: Bundeszentrale für politische Bildung)

Erhebungen zu politischen Einstellungen von Jugendlichen zu Demokratie und Gesellschaft zeigen unterschiedliche Ergebnisse für Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund. Dabei ist unklar, ob diese Unterschiede Folge eines anderen Verständnisses von Politik und Demokratie sind oder aber in lückenhaftem Wissen zu suchen sind oder auch im Sprachvermögen. Hierzu lagen bislang keine empirischen Arbeiten vor. Das Projekt POWIS Igibt hierzu erste Antworten. Erhoben wurden dazu Daten zum konzeptuellen Wissen von Schüler/-innen, die in Lehr-/Lerngruppen multiethnischer Zusammensetzung unterrichtet werden.

Methodische Vorgehen: Die Befragung blieb aus pragmatischen (Umfang der Studie) und inhaltlichen Gründen (mittleres Bildungsniveau, Vermeidung von Decken- bzw. Basiseffekten) beschränkt auf Schüler/-innen der Jahrgangsstufe 9 in Realschulen. Der Anteil der Schüler/-innen mit Migrationshintergrund in der Stichprobe sollte darüber hinaus dem Bundesdurchschnitt entsprechen. Die Schulen lagen aufgrund der beteiligten Universitäten in den Ballungsräumen Braunschweig, Dortmund und Karlsruhe. Erhebungszeitraum war Frühjahr 2008.

Getestet wurde auf konzeptuelles Wissen. Die Schülerinnen und Schüler sollten zeigen, wie sie bestimmte Situationen auf der Basis ihres Wissens beurteilen, nicht jedoch was an Einzelfakten verfügbar war. Dabei enthielt der Wissenstest Fragen zu den verschiedenen inhaltlichen Aspekten – Demokratie, Wahlen, Föderalismus und Bürgerrechte – und mit unterschiedlicher Schwierigkeit. Die Verständlichkeit und Lösbarkeit der Fragen wurde in zwei vorangestellten Pilottests untersucht. Das verwendete Format war das Standard Multiple-Choice-Format: 4 Antwortoptionen mit einer richtigen Lösung. Darüber hinaus sollten die Fragen sollen curricular sensitiv und somit in allen Bundesländern replizierbar sein. Dazu wurden die Fragen einem Expertenreview von 16 Expert/-innen zur Einschätzung der curricularen Validität unterzogen. Gerahmt wurde der Wissenstest von zwei Sprachtests, die Hinweise auf das Sprachvermögen liefern sollten, damit ausgeschlossen werden konnte, dass Spracheffekte mit Wissen verwechselt werden. Die Datenerhebung erfolgte in insgesamt 82 Schulklassen.

Messmodell: Wichtig für das Verständnis von POWIS I ist, dass die Messung der Daten auf der Basis eines mehrfaktoriellen Modells erfolgte. Dabei wird nicht das Antwortverhalten zu einzelnen Fragen betrachtet, sondern in dem Messmodell ist das Antwortverhalten für alle Fragen gleichzeitig nach der Item-Respone-Theory (IRT) kontrolliert. Für die Itemauswahl wurden zwei Annahmen zugrunde gelegt und überprüft: Eindimensionalität (alle Wissensfragen in allen Subfacetten gehen auf eine gemeinsame Fähigkeit zurück) und gruppenspezifische Messinvarianz (das Messmodell ist unabhängig von der „Gruppenzugehörigkeit“ der Personen).

Analysemodell: Zur Analyse wurde ein Mehrebenenmodell herangezogen, das es erlaubt, den Einfluss mehrerer unabhängiger Variablen (= Prädiktoren), auf die abhängigen Variablen (= Kriteriumsvariablen) zu bestimmen. So konnten Schulklassen als Aggregateinheiten und nicht nur Individuen in den Blick genommen werden, denn Schülerinnen und Schüler wurden nicht als Einzelpersonen befragt, sondern als Angehörige einer Schulklasse.

Im Analysemodell wurden in POWIS I folgende Prädiktoren für das politische Wissen auf Individualebene verwendet: Geschlecht; kulturelles Kapital der Eltern, Migrationsherkunft der Eltern, Sprache(n) im Elternhaus und Sprachtest. Die Einflussfaktoren auf das Wissen auf Klassenebene waren: Klassenstärke und Aggregate der Individualebene (Bücherzahl, Herkunft der Eltern, gesprochene Sprachen zuhause, Leistung im Sprachtest als formative latente Variable aus den beiden Testergebnissen).

Ergebnisse: Erfolgreiches Lernen im Politikunterricht hängt auch von den Rahmenbedingungen ab (z. B. die Klassenzusammensetzung). Sowohl auf Individual- als auch auf Klassenebene zeigt sich die Bedeutung der Sprachkompetenz der Schülerinnen und Schüler sowie des kulturellen Kapitals der Eltern. Es fällt auf, dass der Politikunterricht mehr an der Sprachfähigkeit (z. B. durch schriftliche Aufgaben) arbeiten muss und das Augenmerk auf die Schüler/-innen mit türkischem oder italienischen Migrationshintergrund zu lenken hat. Hier können die Ergebnisse nicht befriedigen.

Veröffentlichung: Politisches Wissen zur Demokratie von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund (POWIS-Studie). In: Weißeno, Georg (Hrsg.): Bürgerrolle in der Einwanderungsgesellschaft – Chancen des Politikunterrichts. Bonn 2010, S. 23-50 (zusammen mit Valentin Eck, Dagmar Richter und Georg Weißeno).

POWIS II - Die Entwicklung des politischen Wissens bei Schülern/innen in den Schulformen der Sekundarstufe I – Längsschnittstudie (2009-2013)
Die Etablierung von Bildungsstandards in der schulischen politischen Bildung setzt voraus, dass empirisch gesicherte Aussagen über die tatsächliche Lernprogression im Fach gemacht werden können, denn die „Bildungsstandards konkretisieren die Ziele in Form von Kompetenzanforderungen. Sie legen fest, über welche Kompetenzen ein Schüler, eine Schülerin verfügen muss, wenn wichtige Ziele der Schule als erreicht gelten sollen. Systematisch geordnet werden diese Anforderungen in Kompetenzmodellen, die Aspekte, Abstufungen und Entwicklungsverläufe von Kompetenzen darstellen“ (BMBF 2003, 21). Um solche „Entwicklungsverläufe“ empirisch nachweisen zu können, bedarf es Längsschnittstudien. Diese aber sind in der Politikdidaktik ein Desiderat. Die POWIS II-Studie gibt erste Aufschlüsse über die Entwicklung des konzeptuellen politischen Wissens von Schüler/innen und über den Anteil des Politikunterrichts daran. 

Methodisches Vorgehen: POWIS II wurde in Kooperation mit dem Institut für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund durchgeführt und partizipiert am PARS-Projekt der Research School „Education and Capabilities“ der Universität Bielefeld und der TU Dortmund. Die Längsschnittstudie PARS (Panel Study at the Research School „Education and Capabilities“ in North Rhine-Westphalia) erhebt von 2009 bis 2013 jährlich Daten an 50 Schulen in Nordrhein-Westfalen (8 Hauptschulen, 10 Realschulen, 15 Gymnasien, 4 Gesamtschulen, 13 Förderschulen). Die Befragung findet in zwei Kohorten (Kohorte I: ab Jahrgangsstufe 5; Kohorte II: ab Jahrgangsstufe 9) statt. Eingesetzt werden dabei u.a. Testinstrumente von NEPS (National Educational Panel Study) sowie im Bereich des politischen Wissens je acht getestete Fragen aus POWIS I, die zum Teil sprachlich an die Jahrgangsstufen angepasst wurden.

Die Lernprogression der Lehrpläne dient als Basis für die Hypothese, dass in der Schule – abhängig von der Schulart – eine systematische Wissensvermittlung im Fach der Politischen Bildung stattfindet. Konzeptuelles Wissen zu einem bestimmten Zeitpunkt kann dabei mit den bewährten Instrumenten aus POWIS I getestet werden. Wenn mit denselben Instrumenten dieselben Schüler zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer Schullaufbahn getestet werden, dann lassen sich Aussagen zum Verlauf ihres Wissenserwerbs machen. Die Testergebnisse lassen sich zur Berechnung von Effektstärken (d) verwenden. Wenn die Messwerte über dem "natürlichen" Wissenszuwachs (Hattie) liegen, hat der Politikunterricht dazu beigetragen, konzeptuelles politisches Wissen zu bilden. 

Messmodell: Die Messung der Daten erfolgt auf der Basis eines mehrfaktoriellen Modells. Nicht das Antwortverhalten zu einzelnen Fragen wird betrachtet, sondern in dem Messmodell ist das Antwortverhalten für alle Fragen gleichzeitig nach der Item-Respone-Theory (IRT) kontrolliert (s. POWIS I).

Analysemodell: Im Analysemodell wurden in POWIS II folgende Prädiktoren für das politische Wissen verwendet: Geschlecht; kulturelles Kapital der Eltern (Bücherzahl), Migrationsherkunft der Eltern und Schulform.

Ergebnisse: Erfolgreiches Lernen im Politikunterricht hängt wesentlich von der besuchten Schulform ab. Diese ist z.T. bedeutender als z.B. Geschlecht und Migrationshintergrund (12% Varianzaufklärung in Jahrgangsstufe 7). In jeder Schulform findet Wissensvermittlung im Politikunterricht bzw. im Fach der Politischen Bildung statt, wenn auch unterschiedlich stark (von Jahrgangsstufe 5 auf 7: Hautschule/Realschule d = 0.28 p.a.; Gymnasium d = 0.50 p.a.). Am meisten scheinen Schüler/innen des Gymnasiums vom Politikunterricht zu profitieren. Der Zuwachs an politischem Wissen ist nicht allein durch außerschulische Faktoren begründbar (z.B. Mediennutzung) und auch nicht durch die kognitive Entwicklung der Schüler/innen (d > 0.15 p.a.). Zu vermuten ist, dass ein Zusammenhang zwischen den Lernanforderungen der Richtlinien und dem Lernzuwachs besteht (vgl. Steigerung in den Realschulen auf d = 0.34 p.a. von Jahrgangsstufe 7 auf 9 entsprechend der Progression der Richtlinien). Ungeklärt ist jedoch, welche Form von Politikunterricht im einzelnen besonders lernförderlich ist (z.B. Methoden, Medieneinsatz). 

Veröffentlichung: Powis II: Die Entwicklung politischen Wissens bei Schülern in der Sekundarstufe I - ein Zwischenbericht. In: Juchler, Ingo (Hrsg.): Unterrichtsleitbilder in der politischen Bildung (=  Schriftenreihe der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung, Bd. 11). Schwalbach/Ts.: Wochenschauverlag 2012, S. 139-152; Die Entwicklung des politischen Wissens bei Schülern/innen in den Schulformen der Sekundarstufe I (POWIS II) – Ergebnisse einer Längsschnittstudie. In: Lange, Dirk, Oeftering, Tonio (Hrsg.): Politische Bildung als lebenslanges Lernen (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Politikdidaktik und politische Jugend- und Erwachsenenbildung, Bd. 13). Schwalbach/Ts.: Wochenschauverlag 2014, S. 125-137.

Evaluation des Medienprojekts HANISAU-Land der Bundeszentrale für politische Bildung (2011-2012)
Die im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung durchgeführte Evaluation sollte Aufschluss über eine mögliche Konzeptvariation von HANISAU-Land geben. Die Evaluation erfolgte in zwei Arbeitsphasen: 1. Medienanalyse der vorliegenden HANISAU-Land-Materialien; 2. Nutzeranalyse und Nutzerbefragung. Spezifische Fragestellungen waren dabei u.a. die nach der Unterrichtseignung der Materialien und ihrer Verbreitung im schulischen Kontext.  

Die Ergebnisse wurden 2012 der Bundeszentrale für politische Bildung vorgestellt und gingen in die Weiterentwicklung von HANISAU-Land ein.

Co-Teaching International: Teacher Training in Intercultural and Interreligious Dialogue (2015-2017)
(zusammen mit Heike Wendt, wissenschaftliche Leitung, und Hasan Sinemillioglu, Projektkoordinator; Förderung: DAAD)

The Project is carried out with the partnership of TU Dortmund University and Dicle University. The aims of the project are;

- to promote the development of global and intercultural competences of student teachers and teacher educators,
- train both groups in pedagogic, scientific approaches and help them to reflect on global and intercultural competences,
- support learners in acquiring these skills.
In order to materialise these aims; jointly developed and taught courses are simultaneously being run at the two teacher education institutions. Also, student exchange that includes a group of students from Dicle University attending an intensive one week course jointly with German students in Dortmund and vice versa. Staff exchange and capacity building which involves the enhancement of young researchers’ skills through research method courses are also important element of the project.

Projekthomepage: http://www.coteach.org/moodle/

PhaSE1 (Pausenhelfer an Schulen – Projekt zur Förderung der Ersthelferkompetenz von Grundschülern (Kooperationsprojekt mit dem ASB Dortmund)) (2017-2018):
Das Projekt PhaSE1 begleitete und evaluierte das vom ASB Dortmund entwickelte Konzept: „Pausenhelferdienst an Grundschulen“. In einer explorativen Interventionsstudie wurden zunächst das Wissen der am Projekt teilnehmenden Schüler hinsichtlich Erster Hilfe erhoben, im Anschluss daran die Projektdurchführung begleitet und evaluiert und schließlich nach Abschluss des Projektes die Lerneffekte durch die Projektteilnahme erhoben. Ziele der explorativen Studie waren zum einen die Verbesserung des Konzeptes wie auch die Entwicklung von standardisierten Instrumenten für eine breit angelegte Wirksamkeitsstudie.

Das Projekt wurde auf der GDSU-Jahrestagung 2018 vorgestellt. Die Ergebnisse sind im GDSU Journal 2019 veröffentlicht (http://www.gdsu.de/gdsu/wp-content/uploads/2019/07/154_163_9.pdf).

„DoProfiL – Das Dortmunder Profil für inklusionsorientierte Lehrer/innenbildung“ (2016-2019)
Teilprojekt: Diversitätsaspekte zum Thema machen – Perspektiven der Fachdidaktik Sachunterricht

(zusammen mit Dörte Kanschik; Förderung: BMBF)

„DoProfil“ verfolgt das Ziel, Lehramtsstudierende und Lehrpersonen dahingehend zu qualifizieren, besonderen Förderbedarf von Schüler_innen zu erkennen und angemessen damit umzugehen – etwa durch Lernangebote, die eine Zugänglichkeit für alle Lernenden schaffen. Dazu werden an der TU Dortmund neue fachspezifische wie auch fachübergreifende Konzepte und Veranstaltungsformate entwickelt. Den inklusiven Umgang mit Diversität sollen alle Lehramtsstudierenden sowohl theoretisch kennenlernen und in universitären Lehrveranstaltungen erleben, als auch praktisch erproben und reflektieren. Dabei werden insbesondere dialogische Lehr-/Lernformate entwickelt. Inklusion wird weit gefasst verstanden und umfasst beispielsweise allgemeine/fachspezifische kognitive Kenntnisse, von Lernschwierigkeiten bis Hochbegabung, ethnische Herkunft, sozialen und ökonomischen Status ebenso wie körperliche Beeinträchtigungen oder besondere Lernbedürfnisse.

Das Teilprojekt strebt an, Diversitätsaspekte auf zwei Ebenen für Studierende (und Lehrende) sichtbar und damit bearbeitbar zu machen.

Auf Ebene der Hochschulbildung werden zum einen inklusionsdidaktische Fragen im Curriculum des Faches Sachunterricht verbindlich für alle Studierenden eingebunden (M2). Dies geschieht sowohl durch die Etablierung einer eigenen Lehrveranstaltung (Inklusiver Sachunterricht) und durch die Einbindung inklusionsdidaktischer Fragen in andere Lehrveranstaltungen. Zu diesem Zweck soll ein Analyseinstrument entwickelt werden, das sowohl bereits vorhandene Potenziale für inklusiven Sachunterricht identifiziert als auch Entwicklungsmöglichkeiten diesbezüglich aufzeigt.

Auf der Ebene der Fachdidaktik Sachunterricht geht es um die Diskussion und Weiterentwicklung der facheigenen Potenziale für Inklusion. Der gesellschaftswissenschaftlichen Sachunterricht bietet die Chance Diversitätsaspekte zum Unterrichtsgegenstand zu machen und damit kindliche Vorstellungen zu gesellschaftlichen Phänomenen anzureichern und auszudifferenzieren. Forschungsergebnisse zum Sachunterricht deuten allerdings auf einen Überhang naturwissenschaftlicher Themen und (im Kontext der gesellschaftswissenschaftlichen Anteile) auf eine Reduzierung auf Elemente sozialen Lernens hin (vgl. Schroeder 2015). An diesem Desiderat ansetzend sollen über mehrere Semester hinweg fachdidaktische Seminare zu ausgewählten Diversitätsaspekten angeboten und hinsichtlich adaptiver Lehr-/Lernsituationen (M1) evaluiert werden. Dabei wird es u.a. darum gehen, wie es gelingen kann Diversität zum Unterrichtsthema zu machen „ohne eine Bühne zur Schilderung von Stereotypen bereitzustellen“ (Offen 2014, 6).

PBKS  (= Politische Bildung von Anfang an (Kindertagesstätten und Sachunterricht)) (2019)
(Förderung: Bundeszentrale für politische Bildung)
Das Projekt PBKS  (= Politische Bildung von Anfang an (Kindertagesstätten und Sachunterricht)) adressiert die Notwendigkeit, demokratisches Lernen und politische Bildung als aufeinander verwiesenes lebenslanges Lernen zu denken und dabei die institutionellen Orte dieses Lernens stärker als bislang im Übergang von vorschulischer und schulischer politischer Bildung aufeinander zu beziehen. Dabei sind auf dem Feld der Zusammenarbeit von (grund)schulischer und vorschulischer politischer Bildung zuallererst Gelegenheitsstrukturen aufzuklären und Kooperationsformate zu konzeptualisieren. Weil jedoch Unsicherheit über tatsächlich mögliche Kooperationsprojekte besteht, solange ein fundierendes Gespräch zwischen allen potentiell Beteiligten nicht stattgefunden hat, steht im Zentrum des Projekts eine am 2./3. Dezember 2019 stattfimndende Tagung zum Zweck der Aufklärung und Auslotung von möglichen Kooperationsfeldern und Kooperationspartnern. 

Literatur: Deth, J.W. v., Abendschön, S., Rathke, J. & Vollmar, M. (2007). Kinder und Politik. Politische Einstellungen von jungen Kindern im ersten Grundschuljahr. Wiesbaden: Springer VS; Götzmann, A. (2015). Entwicklung politischen Wissens in der Grundschule. Wiesbaden: Springer VS; Hansen, R., Knauer, R. & Sturzenhecker, B. (2011): Partizipation in Kindertageseinrichtungen. So gelingt Demokratieerziehung mit Kindern. Bonn; Richter, D. (Hrsg.) (2007): Politische Bildung von Anfang an. Bonn.

Veröffentlichung: Goll, Thomas / Schmidt, Ingrid (Hrsg.) (2021): Politische Bildung von Anfang an? Kindertageseinrichtungen und Grundschulen als Orte politischer Bildung und demokratischen Lernens. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.

PKjK (= Politische Konzepte junger Kinder) – explorativen Teilstudie im PBKS-Projekt (2019)
Jedes Kind, „das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden“ (Art. 12 KRK; BMFSFJ 2014), hat nach der Kinderrechtskonvention (KRK) der Vereinten Nationen das politische Recht auf Partizipation. Diesen Rechtsanspruch ernst nehmen heißt zugleich, Kinder möglich gut und so früh wie möglich dabei zu unterstützen, politisch urteils- und handlungsfähig zu werden. Wann diese Förderung sinnvollerweise einsetzen kann und soll, ist jedoch empirisch noch nicht aufgeklärt. Die PKjK-Studie (= Politische Konzepte junger Kinder) des Lehrstuhls für integrative Fachdidaktik Sachunterricht und Sozialwissenschaften der TU Dortmund setzt hier an. Sie erforscht, ob schon Kinder im Kita-Alter über polical literacy und konzeptuelles politisches Wissen verfügen.

Die Studie wurde im Rahmen des Projekts „Politische Bildung von Anfang an (Kindertagesstätten und Sachunterricht)“ (= PBKS) im Herbst 2019 an der TU Dortmund durchgeführt. Die Forschungsfrage war, ob schon Kinder im Alter von 5 Jahren über political literacy verfügen und welche Ausprägungen sich dabei nachweisen lassen. Dazu wurden zwei über Youtube zugängliche Videodateien des regionalen Fernsehsenders Rhein-Main TV (Kinder erklären Politik 1 und 2) mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring (2010) analysiert. Trotz der Limitiertheit der Daten konnte die Studie bestätigen, dass schon junge Kinder über political literacy zumindest auf den basalen Kompetenzstufen nominal und funktional verfügen können. D.h., politische Begriffe sind auch jungen Kindern bekannt und können von ihnen richtig verwendet werden. Deutlich wurde auch, dass eine Vielfalt an Material und methodischen Zugängen nötig ist, um kindlichen Vorstellungen besser auf die Spur zu kommen.

Die Ergebnisse finden Sie hier: Thomas Goll: Politische Konzepte junger Kinder – Ergebnisse einer explorativen Teilstudie. Working Paper. Dortmund 2020 DOI: 10.13140/RG.2.2.32302.13129.

Der Lehrstuhl für integrative Fachdidaktik Sachunterricht und Sozialwissenschaften der TU Dortmund setzt das PKjK-Projekt im PoJoMeC-Projekt fort.

Literatur: Berti, A.E. (2005): Children's understanding of politics. In: Barrett, M. & Buchanan-Barrow, E. (Hrsg.): Children's Understanding of Society. ProQuest Ebook Central, 69-103; Bybee, R. (1997). Towards an understanding of scientific literacy. In W. Gräber, & C. Bolte (Hrsg.), Scientific Literacy. An international symposium. Kiel: IPN, 37-68; Sapiro, Virginia (2004): Not your Parents’ political Socialisation: Introduction for a New Generation. In: Annu. Rev. Polit. Sci. 2004. 7:1–23 (doi: 10.1146/annurev.polisci.7.012003.104840).

Demokratiebericht zur Lage der politischen Bildung in Nordrhein-Westfalen (2021)

Nach Beauftragung durch den Landtag hat die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen Anfang Oktober 2021 den Demokratiebericht zur Lage der politischen Bildung in NRW dem Parlament vorgestellt und anschließend auf ihrer Homepage veröffentlicht. Der Bericht enthält nicht nur einen Überblick über Organisation und Angebote politischer Bildung in Nordrhein-Westfalen, sondern auch die Ergebnisse einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts „forsa“ u.a. zu den Themen Zufriedenheit mit dem politischen System. Demokratieverständnis, Politische Partizipation und Politisches Informationsverhalten. Wissenschaftlich begleitet wurde der Demokratiebericht von Prof. Dr. Thomas Goll, TU Dortmund.

Download: https://www.politische-bildung.nrw.de/themen/demokratiebericht

Anfahrt & Lageplan

Der Campus der Technischen Universität Dortmund liegt in der Nähe des Autobahnkreuzes Dortmund West, wo die Sauerlandlinie A45 den Ruhrschnellweg B1/A40 kreuzt. Die Abfahrt Dortmund-Eichlinghofen auf der A45 führt zum Campus Süd, die Abfahrt Dortmund-Dorstfeld auf der A40 zum Campus-Nord. An beiden Ausfahrten ist die Universität ausgeschildert.

Direkt auf dem Campus Nord befindet sich die S-Bahn-Station „Dortmund Universität“. Von dort fährt die S-Bahn-Linie S1 im 20- oder 30-Minuten-Takt zum Hauptbahnhof Dortmund und in der Gegenrichtung zum Hauptbahnhof Düsseldorf über Bochum, Essen und Duisburg. Außerdem ist die Universität mit den Buslinien 445, 447 und 462 zu erreichen. Eine Fahrplanauskunft findet sich auf der Homepage des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, außerdem bieten die DSW21 einen interaktiven Liniennetzplan an.
 

Zu den Wahrzeichen der TU Dortmund gehört die H-Bahn. Linie 1 verkehrt im 10-Minuten-Takt zwischen Dortmund Eichlinghofen und dem Technologiezentrum über Campus Süd und Dortmund Universität S, Linie 2 pendelt im 5-Minuten-Takt zwischen Campus Nord und Campus Süd. Diese Strecke legt sie in zwei Minuten zurück.

Vom Flughafen Dortmund aus gelangt man mit dem AirportExpress innerhalb von gut 20 Minuten zum Dortmunder Hauptbahnhof und von dort mit der S-Bahn zur Universität. Ein größeres Angebot an internationalen Flugverbindungen bietet der etwa 60 Kilometer entfernte Flughafen Düsseldorf, der direkt mit der S-Bahn vom Bahnhof der Universität zu erreichen ist.

Die Einrichtungen der Technischen Universität Dortmund verteilen sich auf den größeren Campus Nord und den kleineren Campus Süd. Zudem befinden sich einige Bereiche der Hochschule im angrenzenden Technologiepark. Genauere Informationen können Sie den Lageplänen entnehmen.