Lukas Brandt
Forschung
Kooperation und Wettbewerb in argumentativen Lehr-Lern-Prozessen. Eine quasi-experimentelle Videostudie im Politikunterricht
Dissertation, erfolgreich verteidigt am 23. Oktober 2026 an der Fakultät Sozialwissenschaften der Technischen Universität Dortmund. Veröffentlichung in Vorbereitung.
Das Argumentieren ist von zentraler Bedeutung für politische Lernprozesse. Es ermöglicht Schülerinnen und Schülern, unterschiedliche Perspektiven zu berücksichtigen, Argumente kritisch zu prüfen und begründete politische Urteile zu entwickeln. Bislang ist jedoch nur unzureichend geklärt, unter welchen Bedingungen diskussionsorientierte Unterrichtsmethoden die Qualität argumentativer Lernprozesse und die politische Urteilsbildung fördern.
Die Dissertation untersucht, welchen Einfluss kooperative und kompetitive Zielstrukturen auf argumentative Lehr-Lern-Prozesse im Politikunterricht haben. Im Mittelpunkt stehen die Qualität mündlicher Unterrichtsdiskussionen, die schriftliche argumentative Urteilsbildung sowie die Zusammenhänge zwischen beiden Bereichen.
Den theoretischen Rahmen bildet ein gegenstandsbezogenes Angebots-Nutzungs-Modell, das die soziale Interdependenztheorie und das Konzept der konstruktiven Kontroverse (Johnson, 2015) mit der Tiefenstrukturperspektive der Unterrichtsforschung verbindet. Die kooperative bzw. kompetitive Zielstruktur wird dabei als Merkmal der Sichtstruktur betrachtet, während die argumentative Verarbeitung auf der Ebene der Tiefenstruktur untersucht wird.
Die Untersuchung basiert auf einer quasi-experimentellen Videostudie im Politikunterricht nordrhein-westfälischer Gymnasien. Insgesamt nahmen 21 Klassen der Jahrgangsstufen 8, 9 und EF aus sieben Gymnasien an der Studie teil (N = 516). Sechzehn Klassen durchliefen eine siebenstündige Unterrichtsreihe zur Kontroverse um die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre, die mit einer kooperativ oder kompetitiv gerahmten Fishbowl-Diskussion abschloss. Dreizehn Diskussionen wurden videografiert, von denen zwölf in die Analysen des mündlichen Diskurses eingingen.
Ergänzend wurden im Prä-Post-Follow-up-Design Fragebögen, Fachwissenstests und schriftliche argumentative Urteile der Schülerinnen und Schüler erhoben. Die Auswertung verbindet quantitative Analysen mündlicher Argumentationsprozesse mit Untersuchungen der individuellen schriftlichen Urteilsbildung.
Die Daten stammen aus dem Forschungsprojekt „Politikkompetenz fördern: Eine Videostudie im Politikunterricht zu den Fachkonzepten ‚Wahlen‘ und ‚Repräsentation‘ anhand der Kontroverse um die Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre“ (WahlViP) am Lehrstuhl für Didaktik der Sozialwissenschaften der Technischen Universität Dortmund.
Literatur
Detjen, J., Massing, P., Richter, D. & Weißeno, G. (2012). Politikkompetenz – ein Modell. Springer VS.
Gronostay, D. (2019). Argumentative Lehr-Lern-Prozesse im Politikunterricht: Eine Videostudie. Springer VS.
Johnson, D. W. (2015). Constructive controversy: Theory, research, practice. Cambridge University Press.




